Chronik

Geschichte

Wenn im Jahr 2004 ein mittelständisches Unternehmen 175. Geburtstagfeiert und sich somit in den Kreis der ältesten Firmen Bayerns einreiht,ist dies nicht nur ein außerordentliches Ereignis, das es zu feiern gilt, sondern auch ein Anlaß, Rückschau zu halten:

Überlebenswille. Die Keimzelle der Firma,die Getreidemühle, kann sich bis zum heutigen Tag als echter Handwerksbetrieb behaupten. Und das in einem Markt, in dem ausgehend von der Anzahl der bayerischen Mühlen und Sägewerke im Jahr 1950 nicht einmal 10 Prozent der Betriebe überlebten.

Tradition. Seit sechs Generationen wurde die Firma ausnahmslos an die ältesten Söhne der Familie Balk weitervererbt.

Aktivität. In jeder Generation wurde der Betrieb ausgeweitet, neue Produkt- und Handelslinien aufgenommen, andere gekappt, es wurde neu gebaut, umgebaut und neu eingerichtet.

Wachstum mit Augenmaß. Der Familienbetrieb hat sich der jeweiligen Epoche angepaßt, wobei trotzdem die Geschäftspolitik mehr vorsichtig als revolutionär war. Die kontinuierliche Vergrößerungkam immer von innen heraus. Nie wurden seit 150 Jahren andere Unternehmen erworben,nur das Betriebsareal wurde durch Zukauf laufend vergrößert.

Fortschritt. Obwohl erst Franz Josef Strauß das Motto „Stillstand ist Rückfall,und Rückfall ist Zerfall“ prägte, kann man mit Recht sagen,daß dies – dem Sinn nach – der Leitsatz des bisherigen Weges der Firma BALK war.

Verantwortung  und  Glück. Trotz der wechselvollen Geschichte der letzten 175 Jahre mit all ihren politischen Umbrüchen – vom Königreich Bayern über das deutsche Kaiserreich,die Weimarer Republik, das III. Reich und die Bundesrepublik zum wiedervereinigten demokratischen Deutschland -dem gesellschaftlichen Wechsel vom Handwerker- und Bauernstaat zum modernen Industriestaat und den markant veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen,vor allem derletzten 50 Jahre, ist es sechs verantwortungsvoll, klug und glücklich agierenden Unternehmergenerationen gelungen,ndie Firma BALK bis zum heutigen Tag nicht nur zu erhalten,nsondern zu einem modernen Unternehmen auszubauen.

 

Zeittafel

 

Andreas Balk (1783-1854), gelernter Bäcker erbt das Brunnbäck-Anwesen/Brunnenbäckerei (jetzt Stadtplatz 3, Vilsbiburg). Er kauft 1829 die Fischmühle in Vilsbiburg und gründet damit die Firma Balk. 1845 richtet er eine Schneidsäge ein.

Sein Sohn Xaver Balk übernimmt nach seinem Tod die Firma. Xaver Balk d. Ä. Ä. (1831-1914) baut nicht nur innerhalb einer Generation den Gewerbe- bzw. Handwerksbetrieb zum größten seiner Art im Bezirk Vilsbiburg (= Altlandkreis) aus, sondern er vermehrt die land- und forstwirtschaftlich genutzte Fläche zu einer Größe, die ihn mit den vier größten Adels- und Brauereigütern des Bezirks in eine Reihe stellt. 1859 kauft er die Obermühle dazu, die 200 m flußaufwärts der Fischmühle gelegen ist. Er renoviert beide Mühlen und baut sie zusammen. 1870 werden eine neue Schneidsäge und ein Maschinenhaus für die Dampfmaschine erbaut. 1888 wird südwestlich der Obermühle der „Gipsstadl“ errichtet. Neben Getreide, Feldgyps und Lohe wird in der BALK-Mühle in dieser Generation auch Tabak gemahlen. 1889 wird eine Breitdreschmaschine angeschafft. 1890 wird das obere Mühlengebäude aufgestockt und die Wasserkraftanlage völlig neu konzipiert. Die Wasserräder der Fischmühle werden stillgelegt, das Gefälle der Obermühle zugeschlagen. 1902 wird der Gewerbebetrieb als Firma „Xaver Balk, Inhaber Xaver Balk ,Kunstmühlenbesitzer in Vilsbiburg, Kunstmühle, Getreide- und Holzhandel“ beim Amtsgericht ins Firmenregister eingetragen.

Joseph Balk d. Ä. Ä. (1866-1930) übernimmt 1903 mit seinem Bruder Xaver die elterliche Firma. Wie sein Vater engagiert auch er sich stark in Vereinen und übernimmt öffentliche Ämter. Am 22. Dezember 1925 verleiht ihm die Regierung des Freistaates Bayern den Titel „Kommerzienrat“.

Xaver  Balk  d. Ä. (1867-1942) übernimmt nach dem Tod des Vaters 1903 mit seinem Bruder Joseph die elterliche Firma und den Gutsbetrieb, wobei sein Interessensschwerpunkt auf der Land- und Forstwirtschaft liegt. Die Firma Xaver BALK  &  Co. OHG, Kunstmühle, Getreide- und Holzhandlung, wird am 22. Juli 1903 ins Gesellschaftsregister eingetragen. Gesellschafter sind Josef und Xaver Balk, Kunstmühlenbesitzer in Vilsbiburg. Die Brüder hatten die Firma und den Gutsbetrieb im gleichen Jahr von ihren Eltern übernommen. Beide Betriebsteile führen sie in eine Konsolidierungsphase und festigen sie im Markt, kein leichtes Unterfangen in Zeiten der Revolution, des Ersten Weltkrieges, der Hochinflation und der Weimarer Republik bis an die Schwelle des Dritten Reiches.

Trotz des Mühlensterbens in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert, von 59.000 im Jahr 1874 auf 38.000 im Jahr 1907, kann sich die Kunstmühle BALK behaupten. In dieser Ära wird die Produktion von Kraftfutter (Mischfutter) aufgenommen. Im Ersten Weltkrieg tritt bei den Grundnahrungsmitteln Zwangsbewirt-chaftung ein. Die Firma BALK wird von 1918 -1921 als Aufkäufer von Weizen und Roggen (Unterkommissionär) für die „Zentral Darlehenskasse“ eingesetzt. 1923 richten die Gebrüder Balk an der Fischmühle eine Pferdeschwemme ein und stellen diese der Allgemeinheit zur Verfügung.

1930 verstirbt Kommerzienrat Joseph Balk und sein Sohn Xaver übernimmt den Geschäftsanteil. Der große Altersunterschied der beiden neuen Teilhaber Neffe & Onkel und die differenzierte Interessenlage führen zur Trennung  von  Guts-   und Gewerbebetrieb. Xaver Balk (1905 – 1972) führt die Firma bis zu seinem Tod 1972 allein. Trotz des Verlustes fast aller Finanzrücklagen in der Währungsreform 1948 gelingt es ihm, die Firma nach dem Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg durch die Nachkriegswirren in die moderne Zeit zu führen. Er baut die Mühle um mit Stadl, Pferdestall und einem landwirtschaftlichen Lagerhaus. Neben dem Pferdestall wird in einem bestehenden Stadel eine Lkw/Pkw-Garage eingebaut, neben dem bestehenden Lagerhaus ein zweites. Mit der völligen Neueinrichtung der Mühle wird 1950 der erste Stein für die technische Weiterentwicklung nach dem Krieg gesetzt.
Da der steigende Mehlverbrauch nach dem Krieg in Deutschland einerseits die meisten Mühlen veranlaßt,Leistungskapazitäten aufzubauen, andererseits ab 1950/51 der Mehlverbrauch laufend zurückgeht, setzt ein allgemeines Mühlensterben ein. Um diesem Trend entgegenzuwirken und zusätzliche Marktanteile zugewinnen, wird die Firma Balk 1955 Gründungsmitglied der „Ährenringmühlen eGmbH“,einer Qualitätssicherungsgemeinschaft von 59 bayerischenMühlen, die unter einem gemeinsamen Markenzeichen auftritt.

Dem Wirtschaftswunder entsprechend steigen der Fleischverzehr sowie der Milch- und Eierbedarf und damit korrespondierend auch der Viehbestand in der Landwirtschaft erheblich. Damit einher geht ein erhöhter Futtermittelbedarf, der von den einzelnen Bauern nicht mehrselbst gedeckt werden kann. Franz und Josef Balk d. Ä. hatten bereits in der Lehre erste Erfahrungen mit der modernen Kraftfutterproduktion bei Altrogge in Lage/Lippe gesammelt. Dieses Wissen können sie inder elterlichen Firma nach der Gründung der MF (Mühlenfertigfutter eGmbH) 1954, später „Bayerische Kraftfutter GmbH“ (Marke „Treff“), bei der di eFirma BALK Gründungsmitglied ist, hervorragend einsetzen. Mit dem Bau eines neuen Garagengebäudes parallel zur Vils, an der Nordostseite des damaligen Betriebskomplexes, wird nicht nur Platz für alle Kraftfahrzeuge, sondern auch die Voraussetzung für den Bau eines Getreidesilos mit der ersten Tiefannahme im Landkreis Vilsbiburg 1960 geschaffen.

1952 wird auch Expansion über die Gründung einer Zweigstelle gesucht. In Ignaz Schaidhammer kann ein erfahrener und geeigneter Lagerhausverwalter dafür gewonnen werden. Es wird die stillgelegte ehemalige Brauerei und Mälzerei Trappentreu in Eberspoint gemietet, später auf Leibrente gekauft und zum landwirtschaftlichen Lagerhaus ausgebaut. Im Sägewerk muß erst das Umfeld für einen erhöhten Warenumschlag geschaffen werden, bevor der Neubau und die Neueinrichtung des Sägewerks 1961/62 erfolgen können. Als Abschluß des Betriebsgeländes im Norden zum sogenannten„Balkspitz“ wird ein überdachtes Bretterlager und ein Schreinereigebäude entlang der Hochwasserlinie zum Vilskanal im Westen errichtet.  1961/62 wird in Holzbauweise ein Sägewerksgebäude mit kompletter Einrichtung neu erstellt. Das erste komplette Kraftfutterwerk wird im Verbindungsgebäude zwischen Lagerhaus III und Mühle 1964 eingebaut. Bald folgt 1967 die erste Pelletspresse. Wesentliche Veränderungen und einschneidende Ereignisse bringt die neue Trasse der Bundesstraße 388 innerhalb des gesamten Betriebsgeländes mit sich. Das sogenannte „Obermüllerhaus“ fällt 1971 der Verbreiterung und Neutrassierung zum Opfer. Vom parkartigen Gartengrundstück auf der anderen Seite der Straße müssen ca. 1.000 m2 verkauft werden. Die neue Straße  führt zwar einerseits zu einem erheblichen Grundstücksverlust, andererseits entsteht beim Kernbetrieb mehr Bewegungsfreiheit und der Standort für ein später geplantes Bürogebäude. Auch ein neues Obermüllerhaus kann in der Arberstraße in nächster Nachbarschafterrichtet werden. 1972 wird mit dem Neubau einer großen Mineraldünger- und Getreidehalle begonnen. Die Fertigstellung dieses Bauwerks wird vom Betriebsinhaber Xaver Balk nicht mehr erlebt. Er stirbt völlig unerwartet am 3. Mai 1972.

Am 20. Juni 1972 lassen die beiden älteren Söhne von Xaver Balk, Franz Balk (* 1933) und Josef Balk d. Ä. (1934-2000) die Firma als OHG rückwirkend zum 4. Mai 1972 ins Handelsregister eintragen. Eine neue Ära beginnt. Franz Balk steht auch nach der Teilung in eine Betriebs- und Besitzgesellschaft der Firma bis 2002 als Geschäftsführer und darüber hinaus beratend zur Verfügung. Trotz großem beruflichem Engagement tritt Franz Balk auch für öffentliche Belange ein: So ist er als Stadtrat in Vilsbiburg (1972-1990), als Kreisrat im Landkreis Landshut Land (1972-1978 Tiefbauausschuß), als Gründungsmitglied der Jungen Union (1961), Ortsgruppe Vilsbiburg, Mitglied der CSU seit 1961 (Landesdelegierter, stellv. Ortsvorsitzende (1971-1976)), als Schöffe am Amtsgericht Landshut, als Geschäftsführer der Bayerischen Kraftfuttergesellschaft und in einigen örtlichen und überörtlichen Vereinen tätig.
Josef Balk führt zusammen mit seinem Bruder Franz von 1972 bis 1999 sehr erfolgreich den elterlichen Betrieb. Im November 2000 verstirbt er unerwartet, nachdem er die Übergabe an die nächste Generationbereits vollzogen hat. Der sehr naturverbundene Mann fand neben seinem großen beruflichen Engagement auch Zeit für öffentliche Interessen. Er war Aufsichtsrat bei der Baugenossenschaft Vilsbiburg, Gründungsmitglied beim Technischen Hilfswerk, aktives Mitglied im Sägewerksverband und in vielen Vereinen, unter denen der ADAC, der V.V.V.V.(Vorstandschaft), derFischereiverein und die „Hundler“ besonders hervorzuheben sind.
1976 ergibt sich die Gelegenheit, das Betriebsgelände wieder zu erweitern und abzurunden. Ein für die geplante Aussiedlung des Gutsbetriebes Balk bereits erstellter, großer Stadel brennt bis auf die Grundmauern nieder. Die Brandstätte wird zur Zukunftssicherung erworben. Das Gebäude wird verändert wieder aufgebaut und vor allem als Garage und Holzhandelswarenlager genutzt. 1979 wird der Neubau des kompletten Kraftfutterwerkes endgültig notwendig, da die alte Anlage im historischen Gebäude nicht mehr erweiterungsfähig ist. Nördlich der Vils entsteht neben der großen Lagerhalle in reiner Stahlbauweise ein 30 m hoher Turm,der die neue Anlage (Dosierblock) aufnimmt. Der obere Bereich ist in die verschiedenen Komponentenzellen unterteilt, unten und in einem Zwischenbau findet mit Hammermühle, Siebmaschinen, Pressen und einer Mischmaschineder Firma Bühler, um nur die wichtigsten Aggregate zu nennen, die Produktion statt. Nach zweijähriger Planungs- und Bauzeit entsteht 1980/81 in unmittelbarer Nähe aller Produktionsanlagen, an der Veldener Straße, begünstigt durch die Neutrassierung der Bundesstraße 388 ein modernes Bürogebäude mit einem Holzfachmarkt, einem Mühlenlabor und den für den Betrieb erforderlichen Sozialräumen.
Die Handelsschiene im Holzbereich wächst immer schneller, sie hat den Umsatz des Sägewerks bereits erreicht. Eine moderne Regalhalle, die von einem Vier-Wege-Stapler beschickt wird, entsteht 1986 neben dem Sägengebäude. Die vielen Neubauten ziehen einen höheren Energiebedarf nach sich. Die alte Trafostation für Freileitungen von 1967 wird 1989 durch eine neue, voll erdverkabelte ersetzt.

Neue Firmenstruktur unter Beteiligung von Josef Balk (*1967) und Franz  Balk jun. (*1971) Dies führt 1994 zu einer neuen, völlig veränderten Firmenstruktur, eine rBesitzgesellschaft der Franz u. Josef Balk GbR und einer Betriebsgesellschaft in Form der Balk GmbH und Co KG. Mit gebündelten Kräften und der Erfahrungen von zwei aufeinander folgenden Generationen wird ein neues großes Projekt angelegt. Nach einer langen Planungsphase mit Raumordnungsverfahren wird südlich der Veldener Straße beim alten Holzhandelswarenlager ein Fachmarkt für Holz und Garten  sowie ein Lebensmittelmarkt (vorerst nicht realisiert) projektiert. Der Fachmarkt wird 1997 eröffnet. Am 12. Juli 2002 wird nach der kurzen Planungs- und Umbauzeit von ca. einem Jahr die Holzfachmarktfiliale im Gewerbegebiet Landshut, gegenüber dem Möbelhaus Emslander, eröffnet. Auch im Sägewerk entfalten sich weitere größere Aktivitäten. Eine neue Holztrocknungsanlage, nach modernsten Gesichtspunkten geplant und auch für größere Längen Bauholz geeignet, ist bereits 2000 auf dem alten Sägewerksgrundstück neben der Vils fertiggestellt worden. Eine neue Lattensortier- und Bündelanlage wurde gebaut.